Kurze Antwort
Die Ursache von Knieschmerzen ist nicht immer allein eine Arthrose. Meniskus, Bänder, das Patellofemoralgelenk, Sehnen, entzündliche Erkrankungen sowie aus der Hüfte oder Lendenwirbelsäule übertragene Schmerzen sollten ebenfalls beurteilt werden. Der grundlegende Ansatz bei Kniearthrose besteht im Allgemeinen darin, Bewegung und körperliche Aktivität aufrechtzuerhalten, die Muskelkraft zu steigern, bei geeigneten Patienten das Gewichtsmanagement zu unterstützen und den Schmerz individuell zu kontrollieren.
Für wen kommt eine Abklärung infrage?
Bei Personen, die nach dem Gehen, Treppensteigen, Hocken oder langem Sitzen Knieschmerzen verspüren sowie Schwellungen, Steifigkeit oder Bewegungseinschränkungen aufweisen, kann eine klinische Beurteilung sinnvoll sein. Bei Vorliegen eines Traumas, von Blockaden oder deutlicher Instabilität wird die Abklärung detaillierter geplant.
Wie wird vorgegangen?
Mithilfe von Anamnese und körperlicher Untersuchung wird versucht, die Schmerzursache zu bestimmen; bei Bedarf werden Röntgen, Ultraschall oder MRT ergänzt. Bewegung, Muskelkräftigung, Gewichtsmanagement, Schmerzkontrolle und bei geeigneten Patienten Injektionen oder interventionelle Optionen werden entsprechend den persönlichen Zielen aufeinander abgestimmt.
Was ist eine Kniearthrose?
Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist eine chronische Gelenkerkrankung, bei der Gelenkknorpel, subchondraler Knochen, Synovialis und umgebende Gewebe gemeinsam betroffen sind. Das Ausmaß der Veränderungen im Röntgenbild korreliert nicht immer eins zu eins mit den Schmerzen der Person; auch die Alltagsfunktion und die Untersuchungsbefunde sind von Bedeutung.
Welche Symptome können auftreten?
- Beim Gehen oder Treppensteigen zunehmende Schmerzen
- Steifigkeit nach längerem Sitzen
- Schwellung oder Erguss
- Verminderter Bewegungsumfang
- Schwierigkeiten beim Hocken und Aufstehen
- Abnahme der Muskelkraft rund um das Knie
- Im patellofemoralen Bereich im Vordergrund stehende Schmerzen
Welche Untersuchungen sind erforderlich?
Bei vielen Patienten sind eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung der erste Schritt. Bei Bedarf können Knie-Röntgenaufnahmen unter Belastung, Ultraschall oder MRT eingesetzt werden. Ein MRT ist nicht bei jedem Knieschmerz routinemäßig erforderlich; es kann bei Blockaden, schweren Traumen, deutlicher Instabilität, Operationsplanung oder unklaren Beschwerden sinnvoller sein.
Warum ist Bewegung wichtig?
Aktuelle Leitlinien betrachten Bewegung, Patientenschulung und persönliches Selbstmanagement als grundlegende Behandlungsbestandteile bei Kniearthrose. Kräftigung, aerobe Aktivität und Übungen für den Bewegungsumfang können Schmerz und Funktion unterstützen. Die Intensität des Programms sollte an das Schmerzniveau, die Kondition und Begleiterkrankungen angepasst werden.
Der Stellenwert des Gewichtsmanagements
Übergewicht kann die mechanische Belastung des Kniegelenks und die metabolische Entzündung verstärken. Eine Netzwerk-Metaanalyse aus dem Jahr 2025 zeigt, dass eine signifikante Gewichtsabnahme bei übergewichtigen oder adipösen Patienten mit Kniearthrose mit einer Verbesserung von Schmerz und Funktion einhergehen kann. Das Ziel ist nicht allein die Zahl auf der Waage, sondern eine nachhaltige Gewichtsabnahme unter Erhalt der Muskelmasse.
Medikamentöse und topische Behandlungen
Topische oder orale Entzündungshemmer können bei manchen Personen zur Symptomkontrolle beitragen. Alter, Nierenfunktion, gastrointestinale und kardiovaskuläre Risiken sollten bei der Medikamentenauswahl berücksichtigt werden. Eine langfristige Anwendung sollte individuell abgewogen werden.
Intraartikuläre Injektionen
Intraartikuläre Optionen wie Kortikosteroide, Hyaluronsäure und PRP werden bei unterschiedlichen Patientengruppen eingesetzt. Vergleichende Studien der letzten Jahre berichten über positive Ergebnisse für PRP und bestimmte Kombinationen; es bestehen jedoch deutliche Unterschiede hinsichtlich der Herstellungsverfahren, Produkteigenschaften, Krankheitsstadien und Nachbeobachtungszeiträume. Daher sollte die Wahl der Injektion nicht unter der Annahme erfolgen, dass ein einzelnes Produkt pauschal das „beste“ ist.
Der Stellenwert von Ozonanwendungen
Intraartikuläres Ozon gehört zu den Methoden, die bei Kniearthrose hinsichtlich Schmerz und Funktion untersucht wurden. Einige Studien und klinische Erfahrungen haben positive Ergebnisse berichtet. Da sich die Studien jedoch hinsichtlich Dosis, Sitzungszahl, Vergleichsbehandlung und Patientenauswahl unterscheiden, sollte die Anwendung bei geeigneten Patienten als Teil des Gesamtbehandlungsplans betrachtet werden.
Radiofrequenz und weitere interventionelle Optionen
Radiofrequenzanwendungen an den Nn. geniculares können bei manchen Patienten mit chronischen Knieschmerzen als nicht-chirurgische Option zur Schmerzkontrolle in Betracht gezogen werden. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen positive Signale; langfristige Vergleichsdaten entwickeln sich weiter. Bei fortgeschrittenen strukturellen Schäden und schwerem Funktionsverlust kann eine orthopädisch-chirurgische Beurteilung erforderlich sein.
Unser Ansatz in unserer Klinik in Bodrum
Bei Knieschmerzen versuchen wir zunächst zu differenzieren, ob der Schmerz aus dem Gelenkinneren, dem patellofemoralen Bereich, den Sehnen/Bändern oder aus einer anderen Quelle stammt. Gewicht, Muskelkraft, Gehfähigkeit, Gelenkerguss, Beweglichkeit und Bildgebung werden gemeinsam beurteilt. Der Behandlungsplan wird so weit wie möglich auf Bewegung und Funktion aufgebaut; Injektionen oder interventionelle Methoden werden bei Bedarf auf dieser Grundlage ergänzt.
Verwandte Leitfäden
- Schmerztherapie
- Gewichtsmanagement und metabolische Gesundheit
- Ozon: Erkrankungen und klinische Zustände
- Rotlichttherapie und Photobiomodulation
Quellen
- Moseng T, et al. EULAR recommendations for the non-pharmacological core management of hip and knee osteoarthritis: 2023 update. Ann Rheum Dis. 2024. PMID: 38212040.
- Shahid A, et al. Comparison of weight loss interventions in overweight and obese adults with knee osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage. 2025. PMID: 39233046.
- Rodríguez-Reyes G, et al. Nonoperative Management Recommendations for Knee Osteoarthritis. 2025. PMID: 41322884.
- Long-term effectiveness of intra-articular injectables in knee osteoarthritis. 2025. PMID: 40025522.
Verfasst und medizinisch geprüft von: Dr. Kerem Çağlayan
Letzte medizinische Prüfung: 10. September 2026
Hinweis: Dieser Inhalt dient der allgemeinen Gesundheitsinformation; er stellt keine persönliche Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar.


