Kurze Antwort: Der Dunning–Kruger-Effekt ist ein Befund, der mit der Tendenz leistungsschwacher Personen in Verbindung gebracht wird, ihre eigene Leistung höher einzuschätzen, als sie tatsächlich ist. Die im Internet verbreitete Grafik „Unwissende halten sich für Genies, Experten halten sich für unzulänglich“ ist jedoch kein direktes Ergebnis der ursprünglichen Studie.
Was ergab die ursprüngliche Studie?
In der Studie von Kruger und Dunning aus dem Jahr 1999 schätzten Teilnehmende, die bei Humor-, Grammatik- und Logiktests im unteren Viertel lagen, ihre eigene Leistung deutlich höher ein, als sie tatsächlich war. Die Forscher erklärten dies teilweise mit einem Mangel an metakognitiven Fähigkeiten: Einige Fähigkeiten, die es ermöglichen, eine Aufgabe gut zu bewältigen, helfen auch dabei, die eigenen Fehler zu erkennen.
Unterschätzen sich Experten immer?
Nein. Die populäre Darstellung übertreibt diesen Teil. Auch wenn leistungsstarke Personen in einigen Experimenten ihren relativen Rang unterschätzen können, haben spätere Studien gezeigt, dass die Selbsteinschätzungen leistungsstarker Personen im Allgemeinen genauer sind.
Beruht der gesamte Effekt auf Metakognition?
Diese Frage ist weiterhin umstritten. Auch statistische Faktoren wie die Regression zum Mittelwert, Messfehler und die Aufgabenschwierigkeit können ähnliche Muster erzeugen. Die experimentelle Studie aus dem Jahr 2019 unterstützte die Rolle der Metakognition, betonte jedoch, dass es nicht richtig sei, das gesamte klassische Dunning–Kruger-Muster durch einen einzigen Mechanismus zu erklären.
Praktische Bedeutung
Bei unseren eigenen Entscheidungen ist es hilfreich, um Rückmeldung zu bitten, die Leistung anhand objektiver Kriterien zu bewerten und die Grenzen der eigenen Fachkenntnisse zu kennen. Die Bezeichnung Dunning–Kruger sollte jedoch nicht dazu verwendet werden, Menschen herabzusetzen oder ihre Intelligenz zu beurteilen.

