Kurze Antwort
Bremelanotide (PT-141) ist ein synthetisches zyklisches Peptid, das auf Melanocortin-Rezeptoren abzielt. In den USA ist es unter dem Namen Vyleesi für die Behandlung der erworbenen und generalisierten hypoaktiven sexuellen Appetenzstörung (HSDD) bei prämenopausalen Frauen zugelassen. Diese Zulassung gilt für Frauen, die bestimmte diagnostische Kriterien erfüllen; sie bedeutet keinen allgemeinen „Libidosteigerer“, kein Medikament für die männliche sexuelle Leistungsfähigkeit oder eine IV-Peptidanwendung.
Wichtige Punkte
- Für Bremelanotide liegen Phase-3-Humandaten und eine FDA-Zulassung für eine bestimmte HSDD-Indikation vor.
- Die zugelassene Verabreichungsform ist die subkutane Injektion; im Internet verkaufte „PT-141“-Produkte mit unklarem Inhalt besitzen nicht die gleiche Qualitätssicherung wie das zugelassene Produkt.
- Die Diagnose HSDD wird nicht allein anhand eines niedrigen Libidoniveaus gestellt; die Beschwerde muss deutlichen Leidensdruck verursachen und darf nicht durch andere Ursachen besser erklärt werden können.
- Übelkeit, Rötung (Flush), Kopfschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle und ein vorübergehender Blutdruckanstieg können auftreten.
- Es darf bei unkontrollierter Hypertonie oder bekannter kardiovaskulärer Erkrankung nicht angewendet werden.
Was ist Bremelanotide?
Bremelanotide ist ein synthetisches Peptid, das auf zentrale Melanocortin-Rezeptoren wirkt. Im Unterschied zur Hormonersatztherapie zielt es darauf ab, mit dem sexuellen Verlangen verbundene Signalwege des zentralen Nervensystems zu modulieren.
In welchen Fällen ist es zugelassen?
Die FDA-Zulassung gilt für erworbene, generalisierte HSDD bei prämenopausalen Frauen, die zuvor keine Probleme mit dem sexuellen Verlangen hatten und bei denen dies unabhängig von der Situation oder dem Partner auftritt. Das geringe Verlangen darf nicht durch eine bestehende medizinische/psychiatrische Erkrankung, Beziehungsprobleme oder Arzneimittel-/Substanzeffekte besser erklärt werden können. Die Behandlung ist nicht zur Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit zugelassen.
Was zeigen die Untersuchungen?
In Phase-3-Studien wurden bei prämenopausalen Frauen mit gesicherter HSDD-Diagnose signifikante Verbesserungen bei den Messungen des sexuellen Verlangens und des mit geringem Verlangen verbundenen Leidensdrucks berichtet. Der klinische Nutzen kann von Person zu Person variieren; daher wird das Ansprechen auf die Behandlung nicht allein anhand der Häufigkeit sexueller Aktivität bewertet, sondern anhand des Verlangensniveaus der Person und der Veränderung des damit verbundenen Leidensdrucks.
Wie wird es angewendet?
Das zugelassene Produkt wird subkutan angewendet. Auf der Produktkennzeichnung gibt es Einschränkungen bezüglich der Anwendung bei Bedarf, der zeitlichen Abstände zwischen den Dosen und der monatlichen Anwendungshäufigkeit. Intravenöses (IV) Bremelanotide/PT-141 ist keine zugelassene oder klinische Standardanwendung.
Bei wem sollten zuerst andere Ursachen untersucht werden?
Bei verminderter Libido können Depressionen, Angstzustände, Beziehungsprobleme, chronischer Stress, Schlafstörungen, Schmerzen, Menopause, Schilddrüsenerkrankungen, Testosteron-/Östrogenveränderungen und Medikamente wie SSRI eine Rolle spielen. Daher sollten vor einer Behandlungsentscheidung die biopsychosozialen Ursachen für das geringe Verlangen abgeklärt werden.
Sicherheit und worauf zu achten ist
Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Rötung (Flush), Kopfschmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle. Ein vorübergehender Blutdruckanstieg und Veränderungen der Herzfrequenz können beobachtet werden. Es darf bei unkontrollierter Hypertonie oder bekannter kardiovaskulärer Erkrankung nicht angewendet werden. Bei manchen Personen kann sich eine fokale Hyperpigmentierung entwickeln, und diese Veränderung bildet sich möglicherweise nicht immer vollständig zurück.
Anwendung bei Männern
Die zugelassene Indikation von Bremelanotide ist nicht die männliche Sexualdysfunktion. Bei der Beurteilung von Libido oder erektiler Dysfunktion bei Männern sollten Testosteron, Gefäßgesundheit, metabolisches Risiko, Medikamente, Schlaf sowie psychologische/beziehungsbezogene Faktoren gesondert betrachtet werden. Die Leitfäden zu erektiler Dysfunktion und Testosteronmangel erläutern diese Unterscheidung.
Unser Ansatz in unserer Klinik in Bodrum
Bei der Beurteilung von Bremelanotide überprüfen wir zunächst die HSDD-Diagnosekriterien und andere Ursachen für geringes Verlangen. Medikamente, Menopausenstatus, psychische Gesundheit, Beziehungsfaktoren, kardiovaskuläres Risiko und die Erwartung der Person an die Behandlung werden gemeinsam bewertet. Wir stellen das zugelassene Medikament nicht mit Produkten gleich, die im Internet unter dem Namen „PT-141“ mit unklarer Standardisierung verkauft werden.
Häufig gestellte Fragen
Steigert PT-141 bei Frauen die Libido?
Bremelanotide ist bei prämenopausalen Frauen zugelassen, die bestimmte HSDD-Diagnosekriterien erfüllen, und hat in klinischen Studien Verbesserungen bei den Messungen des sexuellen Verlangens und des damit verbundenen Leidensdrucks gezeigt. Nicht jedes Bild einer verminderten Libido stellt dieselbe Diagnose dar.
Kann es nach der Menopause angewendet werden?
Die FDA-zugelassene Indikation ist die erworbene, generalisierte HSDD bei prämenopausalen Frauen. Ein geringes Verlangen und genitourinäre Beschwerden nach der Menopause erfordern eine andere Beurteilung.
Wird PT-141 IV verabreicht?
Die zugelassene Verabreichungsform ist subkutan. Eine IV-Verabreichung ist kein zugelassenes Standardprotokoll.
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Quellen
- U.S. FDA. Vyleesi (bremelanotide) NDA 210557 approval and prescribing information.
- Kingsberg SA, et al. RECONNECT phase 3 studies of bremelanotide for HSDD. PMID: 31599840.
Verfasst und medizinisch geprüft von: Dr. Kerem Çağlayan
Letzte medizinische Prüfung: 10 September 2026
Hinweis: Dieser Inhalt dient der allgemeinen medizinischen Information; er ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlungsempfehlung.


