Kurze Antwort
Gleichgewichtsverlust und Stürze sind keine unvermeidliche Folge des Alterns. Muskelkraft, Sehvermögen, Hörvermögen, Fußgesundheit, Medikamente, Blutdruck, das vestibuläre System und Umweltfaktoren können zusammenwirken. Zur Reduzierung des Sturzrisikos nehmen insbesondere Kraft-, Gleichgewichts- und funktionelles Bewegungstraining einen wichtigen Platz ein.
Warum kann das Sturzrisiko steigen?
- Abnahme der Muskelkraft und der Leistungsfähigkeit der unteren Extremitäten
- Gleichgewichts- und Gangstörungen
- Seh- oder Hörprobleme
- Orthostatische Hypotonie
- Polypharmazie einschließlich sedierender oder blutdrucksenkender Medikamente
- Neuropathie, vestibuläre Störungen und Gelenkschmerzen
- Umweltrisiken im häuslichen Umfeld
- Vitamin-D-Mangel oder Zustände im Zusammenhang mit Knochenbrüchigkeit
Welche Messungen können nützlich sein?
Ein einzelner Test ist nicht ausreichend. Tests wie Ganggeschwindigkeit, Aufstehen vom Stuhl, Tandemstand, Einbeinstand, Handgriffkraft und bei Bedarf der Timed Up and Go können Informationen über die funktionelle Kapazität liefern. Die Ergebnisse sollten zusammen mit Alter, Körpergröße, Schmerzen, neurologischem Status und dem täglichen Aktivitätsniveau interpretiert werden.
Wie sollte das Training aussehen?
Die WHO empfiehlt, dass ältere Erwachsene mit eingeschränkter Mobilität regelmäßig körperliche Aktivität zur Verbesserung des Gleichgewichts durchführen. Kraft-, Gleichgewichts-, Koordinations- und Gangtraining können sinnvoller sein, wenn sie kombiniert geplant werden. Das Programm sollte entsprechend der aktuellen Kapazität der Person schrittweise erfolgen; bei Vorliegen von Schmerzen, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologischen Problemen sollte es individualisiert werden.
Warum ist Muskelkraft wichtig?
Beim Sturzrisiko ist nicht nur das Gleichgewicht wichtig, sondern insbesondere auch die Muskelkraft der Beine und rund um die Hüfte. Sarkopenie und geringe Muskelkraft können alltägliche Bewegungen, das Treppensteigen und das Auffangen nach einem Sturz erschweren. Aus diesem Grund kann die Beurteilung von Sarkopenie und Muskelkraft zusammen mit einem Plan für gesundes Altern betrachtet werden.
Anpassung von Wohnraum und Umwelt
Einfache Umweltfaktoren wie rutschige Böden, lose Teppiche, unzureichende Beleuchtung, ungeeignete Hausschuhe und fehlende Haltemöglichkeiten im Badezimmer können das Sturzrisiko erhöhen. Bei hohem Risiko sollten auch die Wohnraumgestaltung und der Bedarf an Hilfsmitteln evaluiert werden.
Unser Ansatz in unserer Klinik in Bodrum
Wir betrachten das Gleichgewichts- und Sturzrisiko nicht bloß als „Alterung“. Muskelkraft, Gangbild, Blutdruck, Medikamente, Seh-/Hörvermögen, Neuropathie, Gelenkschmerzen und Körperzusammensetzung werden gemeinsam bewertet. Bei Bedarf wird der Plan zusammen mit der Beurteilung von VO₂max/kardiorespiratorischer Fitness, Longevity und Schmerzen erstellt.
Häufig gestellte Fragen
Bedeutet ein einmaliger Sturz ein ernstes Risiko?
Nicht jeder Sturz bedeutet das Gleiche. Wenn jedoch wiederholte Stürze, Schwindel, Synkopen, neu aufgetretene Schwäche oder eine ausgeprägte Gangstörung vorliegen, sollte die Ursache untersucht werden.
Reicht Gleichgewichtstraining alleine aus?
Bei manchen Personen kann es nützlich sein; da das Sturzrisiko jedoch multifaktoriell ist, sollten auch Kraft, Medikamente, Sehvermögen, Blutdruck und Umweltrisiken evaluiert werden.
Quellen
Verfasst und medizinisch geprüft von: Dr. Kerem Çağlayan
Letzte medizinische Prüfung: 10. September 2026


